Fellwechsel beim Pferd im Herbst – warum jetzt etwas mehr Rücksicht gefragt ist

Die Tage werden kürzer, morgens ist es plötzlich wieder kühl und auf Putzplatz, Jacke und Stallgasse sammeln sich gefühlt überall Pferdehaare. Der Herbst ist da – und mit ihm beginnt für unsere Pferde eine Zeit, die wir manchmal ein wenig unterschätzen: der Fellwechsel.

Von außen sieht es zunächst nur so aus, als würde das Sommerfell langsam dem dichteren Winterfell weichen. Im Körper passiert währenddessen aber deutlich mehr. Und genau deshalb kann es sein, dass ein Pferd, das normalerweise motiviert und leistungsbereit ist, plötzlich müder wirkt, schneller schwitzt oder beim Training einfach nicht ganz so viel Energie hat.

Das ist ein guter Zeitpunkt, genauer hinzusehen und dem Pferd bei Bedarf ein bisschen mehr Unterstützung zu geben.

Fellwechsel bedeutet Arbeit für den Körper

Ein neues Winterfell entsteht nicht einfach über Nacht. Der Körper muss große Mengen neuer Haare bilden und dafür ständig neue Zellen produzieren. Dafür benötigt er unter anderem Eiweiß beziehungsweise Aminosäuren sowie verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente.

Gleichzeitig stellt sich der gesamte Organismus auf die neue Jahreszeit ein.

Interessant ist dabei: Der Fellwechsel orientiert sich nicht ausschließlich an den Temperaturen. Ein wichtiger Impuls ist die Veränderung der Tageslichtlänge. Deshalb beginnt die Umstellung bei vielen Pferden schon, bevor wir Menschen das Gefühl haben, dass der Herbst überhaupt richtig angefangen hat.

Das erklärt auch, warum manche Pferde bereits im Spätsommer deutlich Veränderungen zeigen.

Warum wirkt mein Pferd plötzlich müde?

Nicht jedes Pferd merkt man den Fellwechsel gleichermaßen an. Manche laufen durch diese Zeit, als wäre überhaupt nichts. Andere wirken dagegen über einige Wochen deutlich weniger leistungsbereit.

Vielleicht kennst du das:

Dein Pferd braucht beim Reiten länger, bis es richtig in Gang kommt. Es wirkt ein bisschen schwerfälliger, schwitzt schneller oder scheint einfach weniger Motivation zu haben. Manchmal ist auch die Regeneration nach der Arbeit etwas langsamer.

Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass immer der Fellwechsel dahintersteckt. Deutliche Leistungseinbrüche, ungewöhnliche Müdigkeit oder andere Veränderungen sollten nicht einfach darauf geschoben werden. Halten die Symptome an oder kommen weitere Auffälligkeiten hinzu, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.

Bei einem ansonsten gesunden Pferd darf man in dieser Zeit aber durchaus berücksichtigen, dass sein Körper gerade zusätzliche Arbeit leistet.

Muss ich das Training im Fellwechsel reduzieren?

Nicht grundsätzlich.

Ein gesundes Pferd darf und soll sich auch während des Fellwechsels bewegen. Bewegung unterstützt Kreislauf, Muskulatur und Stoffwechsel. Entscheidend ist vielmehr, das Training an das Pferd anzupassen und nicht starr an einem Trainingsplan festzuhalten.

Ist dein Pferd fit und motiviert? Dann spricht nichts gegen das normale Training.

Merkst du dagegen, dass es ungewöhnlich müde ist oder schneller erschöpft, darf eine Trainingseinheit auch einmal kürzer oder lockerer ausfallen.

Statt intensivem Training können dann zum Beispiel ein entspannter Ausritt, leichte Gymnastizierung, Bodenarbeit oder ein Spaziergang genau richtig sein.

Ein paar Tage etwas weniger Leistung kosten euch keinen Trainingsfortschritt.

Im Gegenteil: Gute Pferdehaltung bedeutet auch, zu erkennen, wann ein Pferd körperlich gerade etwas mehr Unterstützung und Regeneration benötigt.

Besonders auf das Schwitzen achten

Mit zunehmendem Winterfell kann ein weiteres Problem entstehen: Das Pferd schwitzt beim Training stärker und trocknet anschließend deutlich langsamer.

Gerade an kühlen Herbstabenden sollte ein stark verschwitztes Pferd deshalb nicht einfach nass zurück in die Box oder auf den Paddock gestellt werden.

Nach dem Training ausreichend Schritt gehen, das Pferd gut trocknen lassen und – je nach Haltung und Situation – eine passende Abschwitzdecke verwenden.

Bei regelmäßig intensiv trainierten Pferden kann auch eine teilweise oder vollständige Schur sinnvoll sein. Das sollte jedoch immer zur Haltung, Arbeitsintensität und Möglichkeit des Eindeckens passen.

Gute Ernährung ist jetzt besonders wichtig

Während des Fellwechsels benötigt der Körper die Bausteine für die Bildung des neuen Haarkleides. Eine ausgewogene Versorgung ist deshalb besonders wichtig.

Die Grundlage sollte wie immer hochwertiges Raufutter sein. Dazu kommen – abhängig von der Gesamtration – eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen.

Für Haut und Haar spielen unter anderem Zink und Kupfer eine Rolle. Auch eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Eiweiß und essenziellen Aminosäuren ist wichtig, denn Haare bestehen überwiegend aus Keratin, also einem Protein.

Dabei gilt allerdings nicht: Viel hilft viel.

Gerade Spurenelemente sollten nicht wahllos zusätzlich gefüttert werden. Manche Mineralstoffe beeinflussen sich gegenseitig und beispielsweise Selen kann bei einer Überversorgung problematisch werden.

Wer unsicher ist, sollte deshalb lieber die gesamte Futterration betrachten und bei Bedarf Heu beziehungsweise Raufutter analysieren lassen, statt mehrere Ergänzungsfuttermittel gleichzeitig „auf Verdacht“ zu geben.

Putzen – jetzt darf es gerne etwas mehr sein

Im Fellwechsel ist gründliches Putzen nicht nur angenehm, sondern auch praktisch.

Lose Haare werden entfernt, die Haut wird massiert und gleichzeitig bekommt man einen guten Überblick über den Zustand von Haut und Fell.

Striegel, Fellwechselbürsten oder spezielle Fellwechselwerkzeuge können dabei helfen – vorausgesetzt, das Pferd empfindet sie als angenehm.

Und seien wir ehrlich: Im Herbst könnte man vermutlich jeden Tag ein zweites Pferd aus den herausgeputzten Haaren bauen. 😉

Auch ältere Pferde genauer beobachten

Bei älteren Pferden lohnt es sich besonders, den Fellwechsel aufmerksam zu verfolgen.

Wenn ein Pferd ungewöhnlich langes oder lockiges Fell entwickelt oder das alte Fell im Frühjahr nur sehr schlecht beziehungsweise sehr spät verliert, sollte man das nicht einfach mit dem Alter erklären.

Solche Veränderungen können beispielsweise bei PPID (Equines Cushing-Syndrom) auftreten und sollten mit dem Tierarzt besprochen werden.

Was hilft meinem Pferd jetzt konkret?

Eigentlich sind es keine komplizierten Dinge. Besonders hilfreich sind:

  • hochwertiges Raufutter und eine ausgewogene Mineralstoffversorgung
  • genügend frisches Wasser
  • regelmäßiges und gründliches Putzen
  • ausreichend Bewegung
  • genügend Ruhe- und Erholungsphasen
  • Training an die aktuelle Tagesform anpassen
  • nach dem Training besonders auf starkes Schwitzen und vollständiges Trocknen achten
  • Fell, Gewicht und Allgemeinzustand regelmäßig beobachten

Vor allem aber hilft etwas, das kein Ergänzungsfuttermittel ersetzen kann: das eigene Pferd aufmerksam zu beobachten.

Ein bisschen mehr Verständnis für schlechte Tage

Pferde sind keine Maschinen.

Gerade im Fellwechsel gibt es Tage, an denen sich ein Pferd vielleicht großartig anfühlt – und zwei Tage später läuft dieselbe Trainingseinheit plötzlich deutlich schwerer.

Dann müssen wir nicht automatisch mehr treiben, mehr fordern oder uns ärgern.

Manchmal ist die bessere Entscheidung, die Anforderungen herunterzuschrauben, eine entspannte Runde ins Gelände zu gehen und am nächsten Tag weiterzumachen.

Denn gutes Training bedeutet nicht, jeden Tag das Maximum aus seinem Pferd herauszuholen.

Es bedeutet auch zu erkennen, wann weniger gerade mehr ist.

Der Fellwechsel gehört jedes Jahr zum natürlichen Rhythmus unserer Pferde. Mit einer guten Fütterung, ausreichend Bewegung, sorgfältiger Pflege und etwas Rücksicht auf die aktuelle Tagesform können wir ihnen diese anstrengende Übergangszeit deutlich angenehmer machen.

Und wenn nach dem Putzen wieder das halbe Pferd auf dem Boden liegt, wissen wir zumindest: Der Winter ist nicht mehr weit.

Solltet Ihr jedoch unsicher sein, oder euer Pferd Anzeichen von Infekten zeigen ist tierärztlicher Rat sofort gefragt. (KI Info Beitrag/Bilder)

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