Wer ein älteres Pferd hat, hat den Begriff Equines Cushing-Syndrom (ECS) oder PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction) wahrscheinlich schon einmal gehört. Und oft denkt man dabei sofort an das typische lange, lockige Fell. Aber: Nicht jedes Pferd mit Fellveränderungen hat Cushing – und umgekehrt zeigen viele betroffene Pferde lange Zeit ganz unscheinbare Symptome.
Gerade deshalb ist es so wichtig, aufmerksam zu sein. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln und begleiten.
Was ist Equines Cushing-Syndrom überhaupt?
Beim Equinen Cushing-Syndrom handelt es sich um eine hormonelle Erkrankung, die in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) entsteht.
Normalerweise sorgt der Botenstoff Dopamin dafür, dass die Hormonproduktion gut reguliert bleibt. Mit zunehmendem Alter können jedoch genau diese dopaminbildenden Nervenzellen nach und nach absterben. Dadurch fehlt die natürliche „Bremse“.
Die Folge: Die Hypophyse produziert zu viele Hormone, vor allem ACTH. Dieses Hormon regt wiederum die Nebennieren an, vermehrt Cortisol (Stresshormone) auszuschütten. Und genau das bringt den gesamten Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht.
Welche Pferde können betroffen sein?
Grundsätzlich kann jede Pferderasse an Equinem Cushing-Syndrom erkranken.
Besonders häufig betroffen sind:
- Ponys
- Haflinger
- Isländer
- Warmblüter
- Kaltblüter
- Freizeit- und Sportpferde
Das Risiko steigt mit dem Alter deutlich an.
Die meisten Pferde erkranken ab etwa 15 Jahren, wobei viele Diagnosen erst im Alter zwischen 18 und 25 Jahren gestellt werden.
Können auch junge Pferde Cushing bekommen?
Ja – allerdings kommt dies deutlich seltener vor.
Früher galt Cushing fast ausschließlich als Erkrankung alter Pferde. Heute weiß man jedoch, dass auch 10- bis 15-jährige Pferde bereits erste Veränderungen entwickeln können.
In Einzelfällen wurden sogar noch jüngere Pferde diagnostiziert.
Deshalb sollte das Alter allein niemals ausschließen, dass ein Pferd an PPID leidet.
Zeigt ein jüngeres Pferd typische Symptome, sollte die Erkrankung unbedingt tierärztlich abgeklärt werden.
Wie entwickelt sich die Erkrankung?
Cushing entsteht schleichend über Jahre. Genau das macht die Diagnose oft schwierig.
Am Anfang sind es meist nur kleine Veränderungen, zum Beispiel:
- etwas längerer Fellwechsel
- leicht gelocktes Winterfell
- nachlassende Muskulatur
- weniger Leistungsbereitschaft
- wiederkehrende Infekte
- vermehrtes Schwitzen
Viele dieser Anzeichen wirken zunächst harmlos – werden aber im Nachhinein oft als erste Hinweise erkannt.
Typische Symptome
Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto mehr Beschwerden können auftreten.
Häufige Symptome sind:
- sehr langes oder lockiges Fell
- verzögerter Fellwechsel
- vermehrtes Schwitzen
- Muskelabbau, besonders am Rücken und an der Oberlinie
- Hängebauch
- Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
- erhöhter Durst
- häufigeres Wasserlassen
- Leistungsschwäche
- Müdigkeit
- wiederkehrende Infektionen
- schlechte Wundheilung
- Fettpolster über den Augen
- Fettansammlungen an Mähnenkamm oder Schweifansatz
Nicht jedes Pferd zeigt alle Symptome.
Manche Tiere wirken über Jahre nahezu unauffällig.
Fettpolster über den Augen – was bedeutet das?
Ein typisches, aber oft übersehenes Zeichen sind weiche Fettpolster über den Augen. Diese entstehen durch hormonelle Umverteilungen im Fettstoffwechsel.
Die Pferde wirken dadurch manchmal „aufgeschwemmt“ im Kopfbereich, obwohl sie insgesamt eher abmagern können. Dieses Symptom sollte immer ernst genommen und im Zusammenhang mit anderen Anzeichen betrachtet werden.

Hufrehe – die größte Gefahr
Eine der schwerwiegendsten Folgen von Cushing ist die Hufrehe.
Viele Pferde entwickeln erstmals eine Hufrehe, obwohl sie gar nicht übergewichtig sind.
Die hormonellen Veränderungen beeinflussen den Zuckerstoffwechsel und können die Huflederhaut erheblich schädigen.
Deshalb sollte insbesondere eine ungeklärte Hufrehe bei älteren Pferden immer Anlass sein, auch an PPID zu denken.

Welche Blutwerte sind wichtig?
Der wichtigste Wert ist ACTH.
Da dieser Wert saisonal schwankt (besonders im Herbst), müssen die Ergebnisse immer im richtigen Zusammenhang bewertet werden.
Zusätzlich können untersucht werden:
- Insulin
- Glukose
- Leber- und Nierenwerte
- Blutbild
- Entzündungswerte
In manchen Fällen wird ein TRH-Stimulationstest durchgeführt, um frühe Stadien besser zu erkennen.
Warum regelmäßige Kontrollen so wichtig sind
Cushing entwickelt sich langsam – deshalb reicht eine einzelne Blutuntersuchung oft nicht aus.
Sinnvoll sind:
- jährliche Checks bei älteren Pferden
- sofortige Abklärung bei Verdacht
- Verlaufskontrollen unter Therapie
So kann die Behandlung optimal angepasst werden.
Behandlung – was hilft wirklich?
Cushing ist nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar.
Die Therapie besteht meist aus mehreren Bausteinen:
- Medikamente (häufig Pergolid)
- regelmäßige Blutkontrollen
- angepasste Fütterung
- kontrolliertes Gewichtsmanagement
- ausreichend Bewegung
- gute Hufpflege
- Kontrolle weiterer Stoffwechselprobleme (z. B. EMS)
Viele Pferde können mit der richtigen Einstellung noch lange ein gutes und aktives Leben führen.
Fütterung bei Cushing
Die Ernährung spielt eine wichtige unterstützende Rolle.
Empfohlen wird:
- hochwertiges, sauberes Heu
- möglichst lange Fresszeiten ohne Pausen
- wenig Zucker und Stärke
- angepasstes Mineralfutter
- regelmäßige Gewichtskontrolle
Gerade weil viele Cushing-Pferde zusätzlich Probleme mit der Insulinregulation haben, ist eine zuckerarme Fütterung besonders wichtig.
Können Mineralstoffe helfen?
Mineralstoffe können Cushing nicht heilen, aber den Körper sinnvoll unterstützen – vorausgesetzt, es besteht ein tatsächlicher Bedarf.
Wichtige Nährstoffe sind:
- Zink – für Haut, Fell und Immunsystem
- Kupfer – für Bindegewebe und Blutbildung
- Selen – Zellschutz und Muskelfunktion
- Magnesium – für Nerven und Muskeln
- Aminosäuren (z. B. Lysin) – für den Muskelaufbau
Eine gezielte Ergänzung sollte immer individuell abgestimmt werden.
Fazit
Das Equine Cushing-Syndrom ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen beim älteren Pferd – und gleichzeitig eine der am häufigsten übersehenen.
Nicht das „klassische Cushing-Fell“ ist entscheidend, sondern die kleinen Veränderungen im Alltag: weniger Energie, Muskelabbau, Fettpolster über den Augen oder wiederkehrende Hufprobleme.
Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser lässt sie sich begleiten. Mit der richtigen Therapie, Fütterung und Betreuung können viele Pferde trotz Diagnose noch lange ein gutes, lebenswertes Leben führen.
Wichtig ist vor allem eines:
Das eigene Pferd gut zu beobachten – und Veränderungen ernst zu nehmen, auch wenn sie zunächst klein wirken und den Tierarzt bei Anzeichen sofort hinzuzuziehen.
Dieser Beitrag und die Illustrationen wurden mit Hilfe von KI erstellt
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