EOTRH beim Pferd – wenn die Schneidezähne unbemerkt Schmerzen verursachen

Viele Pferdebesitzer kennen typische Zahnprobleme wie scharfe Kanten, Haken oder Probleme beim Kauen. Eine Erkrankung wird jedoch noch immer vergleichsweise häufig übersehen: EOTRH.

Die Abkürzung steht für Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis. Hinter diesem komplizierten Namen verbirgt sich eine fortschreitende und häufig schmerzhafte Zahnerkrankung, die vor allem ältere Pferde betrifft. Besonders häufig sind die Schneidezähne und Hengstzähne betroffen.

Das Tückische daran: Ein Pferd kann bereits deutliche Veränderungen an den Zahnwurzeln haben, obwohl man von außen zunächst kaum etwas erkennt.

Was passiert bei EOTRH?

Bei EOTRH laufen im Wesentlichen zwei Prozesse ab.

Zum einen beginnen sogenannte Odontoklasten, Zahnsubstanz abzubauen. Bereiche des Zahnes und insbesondere der im Kiefer liegenden Zahnanteile werden regelrecht resorbiert.

Gleichzeitig kann der Körper versuchen, diese Veränderungen durch eine verstärkte Bildung von Zahnzement auszugleichen. Es entsteht eine sogenannte Hyperzementose. Dadurch können die Zahnwurzeln teilweise massiv verdickt und knollenartig verändert erscheinen.

Hinzu kommen häufig Entzündungen des Zahnhalteapparates und des umliegenden Gewebes. In schweren Fällen können Zähne instabil werden, sich entzünden, abbrechen oder sogar verloren gehen.

EOTRH ist deshalb keineswegs nur eine optische Veränderung alter Pferdezähne, sondern kann für das betroffene Pferd mit erheblichen Schmerzen verbunden sein.

Welche Pferde sind betroffen?

EOTRH wird vor allem bei älteren Pferden beobachtet. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für entsprechende Veränderungen deutlich an. In einer deutschen Untersuchung mit 142 Pferden ab zehn Jahren nahmen die radiologischen Veränderungen mit dem Alter deutlich zu. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass insbesondere leichte Veränderungen teilweise schwer von normalen altersbedingten Zahnveränderungen abzugrenzen sind.

Auch eine neuere deutsche Untersuchung an älteren Islandpferden zeigt, wie verbreitet EOTRH sein kann: Bei 109 von 151 ausgewerteten Pferden wurde EOTRH diagnostiziert. Das Risiko nahm mit dem Alter zu; männliche Tiere waren in dieser untersuchten Population häufiger betroffen. Haltung, Fütterung und bisherige Zahnbehandlungen zeigten dagegen keinen signifikanten Einfluss.

Das bedeutet nicht, dass jedes ältere Pferd automatisch an behandlungsbedürftiger EOTRH leidet. Es zeigt aber, warum gerade bei älteren Pferden die Schneidezähne genauer kontrolliert werden sollten.

Woran kann man EOTRH erkennen?

Gerade im frühen Stadium ist die Erkrankung schwierig zu erkennen. Manche Pferde zeigen trotz Veränderungen zunächst kaum offensichtliche Beschwerden.

Mit fortschreitender Erkrankung können jedoch verschiedene Auffälligkeiten entstehen:

  • gerötetes, entzündetes oder zurückweichendes Zahnfleisch
  • Schwellungen oberhalb der Zahnwurzeln
  • kleine Fisteln oder Eiteraustritt am Zahnfleisch
  • verdickte oder ungewöhnlich geformte Schneidezähne
  • lockere Zähne
  • Zahnfrakturen
  • unangenehmer Geruch aus dem Maul
  • Schwierigkeiten beim Abbeißen
  • auffällige Schmerzreaktionen im Bereich der Schneidezähne.

Aber auch das Verhalten des Pferdes kann Hinweise liefern.

Die stillen Schmerzzeichen werden leicht übersehen

Pferde zeigen Zahnschmerzen nicht zwangsläufig deutlich. Ein Pferd muss also nicht plötzlich das Fressen einstellen.

Manche Pferde vermeiden beispielsweise harte Futtermittel, möchten keine Karotte mehr abbeißen oder nehmen ein Leckerli ungewöhnlich vorsichtig mit den Lippen. Andere reagieren empfindlich, wenn man das Maul berührt.

Auch Veränderungen beim Auftrensen oder eine Abwehr beim Kontakt mit dem Kopf sollten ernst genommen werden – selbst wenn diese natürlich viele andere Ursachen haben können.

Gerade bei älteren Pferden werden solche Veränderungen leider schnell mit dem Alter erklärt.

„Der wird eben alt.“

Dabei kann hinter einer vermeintlichen Alterserscheinung schlicht chronischer Zahnschmerz stecken.

Ein einfacher Hinweis: der Karotten-Test

Ein häufig genannter praktischer Hinweis ist die Reaktion auf eine ganze Karotte.

Ein gesundes Pferd greift sie normalerweise mit den Schneidezähnen und beißt ein Stück ab. Pferde mit schmerzhaften Schneidezähnen können dagegen versuchen, die Karotte mit den Lippen ins Maul zu bekommen oder vermeiden das kräftige Abbeißen.

Wichtig: Das ist kein diagnostischer Test für EOTRH. Frisst ein Pferd eine Karotte problemlos, schließt das EOTRH ebenso wenig aus. Auffälliges Verhalten beim Abbeißen kann aber ein guter Grund sein, die Schneidezähne genauer untersuchen zu lassen.

Wie wird EOTRH diagnostiziert?

Ein Blick auf die sichtbaren Zahnkronen reicht nicht aus.

Das liegt daran, dass ein großer Teil der Veränderungen unterhalb des Zahnfleisches beziehungsweise innerhalb des Kiefers stattfinden kann. Untersuchungen zeigen sogar, dass radiologische Veränderungen an äußerlich weitgehend unauffälligen Zähnen vorhanden sein können.

Bei Verdacht gehören deshalb eine gründliche Untersuchung der Maulhöhle und insbesondere der Schneide- und Hengstzähne sowie entsprechende Röntgenaufnahmen zur Diagnostik.

Auf den Bildern kann der Tierarzt unter anderem Veränderungen der Zahnwurzeln, Resorptionen, Hyperzementosen und Veränderungen des umliegenden Knochens beurteilen.

Dabei muss auch die Röntgendiagnostik immer zusammen mit dem klinischen Befund betrachtet werden. Besonders sehr frühe Veränderungen können schwierig zu beurteilen sein.

Was verursacht EOTRH?

Diese Frage lässt sich bis heute nicht eindeutig beantworten.

Die genaue Ursache der Erkrankung ist weiterhin nicht geklärt. Diskutiert werden unter anderem mechanische Belastungen des Zahnhalteapparates sowie entzündliche und bakterielle Prozesse. Wahrscheinlich handelt es sich um ein komplexes Geschehen und nicht um einen einzigen Auslöser.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine 2026 veröffentlichte Untersuchung aus Hannover. Dabei wurden Blut-, Stoffwechsel- und Hormonparameter älterer Islandpferde mit und ohne EOTRH verglichen. Die Forscher fanden keine überzeugenden systemischen Veränderungen, die EOTRH erklären würden. Die Ergebnisse sprechen vielmehr dafür, dass die Erkrankung überwiegend mit lokalen Entzündungsprozessen im Maul verbunden ist.

Behauptungen, EOTRH ließe sich beispielsweise allein durch einen bestimmten Mineralstoffmangel, ein bestimmtes Futter oder eine Stoffwechselerkrankung erklären, sollten deshalb mit Vorsicht betrachtet werden.

Kann man EOTRH verhindern?

Nach heutigem Wissensstand gibt es leider keine sicher nachgewiesene Methode, mit der sich EOTRH verhindern lässt.

Umso wichtiger sind regelmäßige Zahnkontrollen – besonders bei älteren Pferden.

Dabei sollten nicht nur die Backenzähne kontrolliert werden. Auch Schneidezähne, Zahnfleisch und gegebenenfalls Hengstzähne gehören zu einer vollständigen Beurteilung.

Je früher Veränderungen erkannt werden, desto besser lässt sich entscheiden, ob zunächst regelmäßige Kontrollen ausreichend sind oder ob bereits eine Behandlung notwendig wird.

Kann man EOTRH heilen?

Eine medikamentöse Therapie, welche die Erkrankung zuverlässig stoppt oder rückgängig macht, steht derzeit nicht zur Verfügung.

Bei deutlich erkrankten und schmerzhaften Zähnen gilt deshalb die Extraktion – also das Ziehen der betroffenen Zähne – als wirksamste Behandlung.

Für viele Pferdebesitzer klingt das zunächst erschreckend.

Mehrere Schneidezähne ziehen?

Oder möglicherweise sogar alle?

Gerade bei einem alten Pferd entsteht schnell die Sorge, dass es anschließend nicht mehr richtig fressen kann.

Können Pferde ohne Schneidezähne überhaupt noch fressen?

Erstaunlicherweise kommen viele Pferde nach der Entfernung erkrankter Schneidezähne ausgesprochen gut zurecht.

Die eigentliche Zerkleinerung des Futters erfolgt schließlich überwiegend über die Backenzähne. Nach der Heilungsphase lernen viele Pferde sehr schnell, Gras, Heu und anderes Futter mit den Lippen aufzunehmen.

Bei Pferden mit umfangreichen oder vollständigen Extraktionen wird in der Fachliteratur eine günstige Prognose beschrieben. Untersuchungen berichten außerdem über eine Verbesserung des Wohlbefindens nach der Entfernung deutlich erkrankter Zähne.

Natürlich muss jedes Pferd individuell beurteilt werden. Alter, übriger Zahnstatus, Haltung und Fütterung spielen dabei eine Rolle.

Das eigentliche Problem sind nicht die fehlenden Zähne – sondern die schmerzhaften Zähne

Dieser Gedanke ist für die Entscheidung häufig entscheidend.

Ein Pferd kann mit fehlenden Schneidezähnen oftmals erstaunlich gut leben.

Mit dauerhaft entzündeten und schmerzenden Zähnen dagegen möglicherweise nicht.

Gerade weil EOTRH langsam fortschreitet, gewöhnen sich Pferd und Besitzer manchmal an bestimmte Verhaltensweisen. Erst nach der Behandlung fällt auf, wie sehr sich das Pferd vorher eingeschränkt hat.

Plötzlich wird wieder begeistert gefressen. Das Pferd wirkt entspannter. Es lässt sich wieder gerne am Kopf anfassen oder zeigt insgesamt mehr Lebensfreude.

Dann wird manchmal erst deutlich, wie viel Unbehagen vorher vorhanden gewesen sein muss.

Was können Pferdebesitzer selbst tun?

Vor allem bei Pferden ab etwa 15 Jahren lohnt es sich, die Schneidezähne regelmäßig bewusst anzuschauen.

Dafür muss man kein Zahnspezialist sein. Achtet einfach auf Veränderungen: Ist das Zahnfleisch gerötet oder geschwollen? Zieht es sich zurück? Gibt es kleine Beulen oder Fistelöffnungen? Sehen einzelne Zähne plötzlich dicker oder anders aus? Verändert sich das Abbeißen?

Und vor allem:

Beobachtet euer Pferd.

Wenn ein Pferd plötzlich keine Karotte mehr abbeißen möchte, Futter ungewöhnlich aufnimmt oder am Maul empfindlicher wird, sollte man das nicht vorschnell als Marotte oder Alterserscheinung abtun.

Fazit: EOTRH sollte man ernst nehmen – aber die Diagnose ist kein Grund zur Panik

EOTRH ist eine fortschreitende Zahnerkrankung, die insbesondere ältere Pferde betrifft und erhebliche Schmerzen verursachen kann. Die genaue Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt, und eine sichere Vorbeugung gibt es derzeit nicht.

Was wir unseren Pferden jedoch bieten können, ist Aufmerksamkeit und eine gute Zahnvorsorge.

Besonders wichtig ist dabei, die Schneidezähne nicht zu vergessen. Bei verdächtigen Veränderungen kann eine Röntgenuntersuchung entscheidende Informationen liefern.

Und wenn ein Tierarzt schließlich zur Entfernung stark betroffener Zähne rät, sollte man sich bewusst machen:

Ein Pferd braucht nicht jeden einzelnen Zahn, um ein gutes Pferdeleben führen zu können. Aber es sollte möglichst nicht dauerhaft mit Zahnschmerzen leben müssen.

Gerade bei unseren Senioren bedeutet gute Zahnmedizin deshalb manchmal nicht, jeden Zahn möglichst lange zu erhalten – sondern rechtzeitig dafür zu sorgen, dass das Pferd wieder schmerzfrei fressen und leben kann.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei Verdacht auf EOTRH sollte das Pferd von einem Tierarzt beziehungsweise einem entsprechend qualifizierten Tierzahnarzt untersucht werden.

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