Sollen Pferde auch bei Regen draußen stehen? Eine differenzierte Betrachtung

Die Frage, ob Pferde auch bei Regen draußen stehen sollten, beschäftigt viele Pferdebesitzer. Auf den ersten Blick mag es für uns Menschen ungemütlich erscheinen, doch Pferde sind von Natur aus an das Leben im Freien angepasst und verfügen über erstaunliche Mechanismen, um sich vor Wettereinflüssen zu schützen. Es ist jedoch wichtig, verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, um das Wohlbefinden der Pferde zu gewährleisten.


Die natürliche Anpassung des Pferdes an Regen

Pferde sind Steppenbewohner und evolutionär darauf ausgelegt, mit unterschiedlichen Witterungsbedingungen umzugehen. Ihr Fell ist ein wahres Wunderwerk der Natur:

  • Dichtes Winterfell: Im Herbst entwickeln Pferde ein dichtes Winterfell mit langer Deckhaar- und feiner Unterwolle. Diese Struktur bildet eine isolierende Luftschicht, die die Körperwärme speichert und vor Kälte schützt.
  • Talgproduktion: Die Haut der Pferde produziert einen öligen Talg, der das Fell wasserabweisend macht. So perlt der Regen ab, und die Haut bleibt darunter trocken.
  • Haarstellung: Pferde können die einzelnen Haare ihres Fells aufstellen oder anlegen, um die Isolationswirkung zu regulieren. Bei Kälte stellen sie die Haare auf, um mehr Luft einzuschließen.

Diese Mechanismen ermöglichen es gesunden, naturnah gehaltenen Pferden, auch bei Regen draußen zu bleiben, ohne sofort auszukühlen oder krank zu werden. Oftmals sieht man Pferde sogar bei Dauerregen entspannt auf der Weide stehen, manchmal sogar den Hintern in den Regen gedreht, um dem Wind aus dem Gesicht zu bekommen.


Wann ein Unterstand unerlässlich ist

Auch wenn Pferde robust sind, gibt es Situationen, in denen ein trockener und windgeschützter Unterstand absolut notwendig ist. Das gilt besonders bei:

  • Kaltem Wind und Regen: Ein scharfer, kalter Wind in Kombination mit Nässe kann die isolierende Luftschicht im Fell stören und dazu führen, dass das Pferd auskühlt. Ein Unterstand, idealerweise mit drei Seiten und einem Dach, bietet hier den nötigen Schutz.
  • Dauerregen ohne Trocknungsmöglichkeit: Wenn das Fell über Stunden hinweg durchnässt wird und keine Möglichkeit zum Abtrocknen besteht, kann dies problematisch werden.
  • Extremer Kälte und Schnee: Auch wenn Pferde trockene Kälte gut vertragen, können extreme Minustemperaturen in Verbindung mit Niederschlag eine zusätzliche Belastung darstellen.

Besondere Fälle, die Aufmerksamkeit erfordern

Nicht jedes Pferd ist gleich. Es gibt bestimmte Pferde, die bei Regenwetter besondere Fürsorge benötigen:

  • Fohlen: Junge Fohlen sind empfindlicher gegenüber Kälte und Nässe und sollten immer Zugang zu einem trockenen, geschützten Bereich haben.
  • Ältere Pferde: Senioren können witterungsempfindlicher sein und schneller auskühlen. Auch sie profitieren von einem Unterstand und brauchen eventuell zusätzliche Unterstützung durch eine Decke oder angepasste Fütterung.
  • Kranke oder rekonvaleszente Pferde: Pferde mit geschwächtem Immunsystem oder nach einer Operation sollten besonders vor Nässe und Kälte geschützt werden.
  • Geschorene Pferde: Ein geschorenes Pferd verliert einen Großteil seiner natürlichen Isolationsfähigkeit und benötigt unbedingt eine entsprechende Regendecke.
  • Pferde mit dünnem Fell oder wenig Unterwolle: Manche Pferde bilden von Natur aus weniger Winterfell aus und sind daher anfälliger für Kälte und Nässe.

Auswirkungen von Nässe auf die Hufe

Langanhaltende Nässe kann sich auch auf die Hufgesundheit auswirken. Matschige Böden und durchnässte Hufe können das Risiko von Hufabszessen, Strahlfäule oder Mauke erhöhen. Regelmäßige Hufpflege und trockene Liegeflächen sind hier wichtig, um Problemen vorzubeugen.


Fazit: Beobachten und Anpassen

Grundsätzlich können gesunde Pferde den meisten Regen gut vertragen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich vor Wind und dauerhafter Nässe zu schützen. Der Schlüssel liegt darin, die eigenen Pferde genau zu beobachten. Zeigt ein Pferd Anzeichen von Unwohlsein, wie Zittern, hochgezogenen Rücken oder eine steife Muskulatur, sollte man reagieren und es in einen trockenen, geschützten Bereich bringen.

Bietet der Offenstall oder die Weide keinen ausreichenden Schutz vor Wind und Regen, ist es ratsam, eine wasser- und winddichte Regendecke in Betracht zu ziehen, insbesondere für empfindliche Pferde oder bei besonders ungemütlichem Wetter. Ein gut geplanter Unterstand und eine regelmäßige Kontrolle des Wohlbefindens des Pferdes sind jedoch immer die beste Voraussetzung für eine artgerechte Haltung bei jedem Wetter.

Du möchtest noch mehr spannende News direkt per E-Mail erhalten?

Dann trage dich hier zum HORSEBAGZ-Newsletter ein!

Einfach E-Mail-Adresse eintragen und absenden. Danach noch kurz bestätigen und schon bist du dabei!